

Komponistin - Frangis Ali-Sade
Zum vierten Mal vergibt das Leopold-Mozart-Kuratorium Augsburg e. V. einen Kompositionsauftrag für den Internationalen Violinwettbewerb Leopold Mozart. Nach Rodion Shchedrin (1999), Wilfried Hiller (2003) und Viktor Suslin (2006) geht der Auftrag 2009 an die aserbaidschanische Komponistin Frangis Ali-Sade.
Frangis Ali-Sade wurde in Baku/Aserbaidschan geboren. Sie absolvierte 1970 am Konservatorium ihrer Heimatstadt das Klavier- und 1972 das Kompositionsexamen, woran sich von 1973 bis 1976 eine Aspirantur bei Kara Karajew anschloss. 1989 promovierte sie über Die Orchestrierung in Werken aserbaidschanischer Komponisten.
Bereits ab 1976 unterrichtete sie im Fachbereich Musikgeschichte am Konservatorium in Baku und ab 1990 als Professorin für die Fächer Zeitgenössische Musik und Geschichte der Orchesterstile. Von 1993 bis 1996 war sie als Chorleiterin am Opernhaus von Mersin (Türkei) tätig und anschließend für zwei Jahre als Dozentin für Klavier und Musiktheorie am dortigen Konservatorium. In den Jahren 1998 und 1999 arbeitete Ali-Sade wieder in Baku. 1999/2000 hielt sich Ali-Sade als DAAD-Stipendiatin zu einem einjährigen Arbeitsaufenthalt in Berlin auf, seitdem lebt sie in Deutschland und in Aserbaidschan.
1980 erhielt Ali-Sade den Preis des Aserbaidschanischen Komponistenverbands und 1990 wurde sie als „Verdiente Künstlerin” der Aserbaidschanischen SSR ausgezeichnet. Im November 2000 erhielt sie den Ehrentitel „Volkskünstlerin der Republik Aserbaidschan“ und wurde 2008 zum „UNESCO-Künstler für den Frieden“ ernannt.
Ali-Sades Werkkatalog umfasst Solo-, Kammer-, Ensemble- und Orchestermusik. Mit ihrer Klaviersonate in memoriam Alban Berg stellte sie sich 1976 beim Musikfestival in Pesaro erstmals im westlichen Ausland vor, wonach ihre Musik bei renommierten Festivals in Stockholm, Warschau, Berlin, London, Heidelberg, Amsterdam, Frankfurt, Zürich, Köln, Bonn, Hamburg, Duisburg und beim Schleswig-Holstein-Musik-Festival erklang. Sodann folgten zahlreiche Aufführungen, Portraitkonzerte, Rundfunk- und CD-Aufnahmen in den USA, der Schweiz sowie in Großbritannien, Deutschland, Holland, Portugal, Dänemark, Frankreich, Italien, Australien, Spanien, Israel, Estland und in der Türkei. Zahleiche Werke Ali-Sades dienten als Musik zu Balletten (in Helsinki, New York, Berlin, Singapur und London).
Für ihre Musik setzten und setzen sich Interpreten wie Mstislaw Rostropowitsch, Yo-Yo Ma, Evelyn Glennie, Ivan Monighetti, David Geringas, Julius Berger, Wu Man, Alexander Ivashkin, Alim Qasimov, Vladimir Tonkha, Elsbeth Moser und viele andere ein. Ensembles und Orchester aus der ganzen Welt spielen begeistert ihre Musik.
Auf einzigartige Art und Weise gelingt es Ali-Sade, die musikalischen Traditionen ihres Heimatlandes und moderne westliche Kompositionstechniken miteinander zu verschmelzen. In ihrer kontrastreichen Musik spiegeln sich Leichtigkeit und Heftigkeit, spielerische Unbeschwertheit und grüblerische Gedanken, zarte Transparenz und kräftige Farben, ruhige Schlichtheit und turbulente Virtuosität sowie Meditation und Ekstase. So reflektiert die Autorin einerseits die religiöse und kulturelle Zerrissenheit zwischen Ost und West, und zwischen nationaler Tradition und westeuropäischer Moderne, andererseits setzt sie ihre eigenen persönlichen Spannungen in Musik um, die sich durch ihren Lebensweg ergeben haben.
Als Pianistin setzt sich Ali-Sade nachdrücklich für die Werke zeitgenössischer Komponisten der ehemaligen Sowjetunion ein. Ihrer Initiative ist es darüber hinaus zu verdanken, dass Werke der Zweiten Wiener Schule und Komponisten wie Olivier Messiaen, John Cage und George Crumb in Baku erstmals aufgeführt wurden.
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